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Thursday, April 20, 2006

Von Pontius zu Pilatus

Englisches Banking war ja schon immer etwas komplizierter und teurer als das was ich so in Deutschland gewöhnt war. Zunächst einmal hat es ja 4 Monate gedauert, bis ich ein Konto hatte - ohne Dispo versteht sich und mit "Kinder-Bankkarte", die zb bei Aldi nicht akzeptiert wird. Dann brauchte es nochmal 4-5 Monate bis ich eine Kreditkarte beantragen konnte, wegen meiner hier nicht vorhandenen Kreditwürdigkeit, bzw. -historie (Keine Kredite, kein Händie, keine Miete, keine Strom- und Wasserrechnungen etc.). Dann kam die Kreditkarte mit einem sagenhaften Kreditlimit von 260 GBP und 24,9% Zinsen, weil ich ja Barclays Kunde bin - sonst wären das 29,9% gewesen. Das aber nur, wenn ich die Karte als Kreditkarte nutzen würde und nicht ständig fristgerecht abzahlen würde. Eine Erhöhung des Limits ist auch erst nach 6 Monaten möglich und die sind erst nächsten Monat um.

Des weiteren schaffe ich immernoch ziemlich viele engl. Pfunde nach Deutschland um daraus gute Euronen zu machen, da ich immernoch zuviel in Euro kaufe (u.a. weil meine dt. Kreditkarten höhere Limits haben). Bislang konnte ich den Großteil meines schmalen Gehalts per "low value payment transfer" für 10 GBP nach Deutschland überweisen. Jetzt aber geht das nicht mehr und die wollen satte 20 GBP für im Prinzip den gleichen Service haben. Drum habe ich nach Schlupflöchern gesucht, und dachte auch eines gefunden zu haben. Und zwar hatte der eigene Euro-Account, laut Barclays Intranet und Broschüren, noch die Möglichkeit des 'low value transfer' auf mein dt. Konto.

Ich also den Euro-Account eröffnet, was zunächst in die Hose ging, also drei Wochen später nochmal eröffnet und Geld rübergeschoben. Dazu musste ich erste eine Hotline anrufen, die mir dann eine neue Nummer gab, wo ich das dann entsprechend machen konnte. Soweit so gut - hat auch alles geklappt. Dann aber ging der Spass erst richtig los.

Laut des letzten Hotliners könnte ich das Geld über eine andere Hotline direkt telefonisch auf mein dt. Konto überweisen. Dort angerufen sagte man mir, dass das Konto fürs Telephone Banking nicht freigeschaltet ist und ich zu meiner Filiale gehen müsse. Gesagt getan. Der gute Mensch in der Filiale sagte mir, dass ich wieder die generelle Nummer anrufen sollte, um meinen Euro-Account fürs Telephone Banking freizuschalten. Für die Überweisung müsste ich nach unten zu den "Cashiers" gehen. Die Dame von den Cashiers gab mir dann das neue und allgemeine Formular ohne die Möglichkeit des "low value payment" und das sei das einzige, welches sie hätte.

Ich also wieder zu dem Segers, der mir den Euro-Account beauftragt hat. Der hat dann bei einer internen Hotline angerufen und festgestellt, dass es die "low value transfer" Methode generell nicht mehr gibt und die Broschüren und auch deren Barclays Intranet offensichtlich nicht up to date ist - und das seit 3 Monaten. Nach den 1000 Entschuldigungen dann die Entscheidung, dass ich dann gerne meine Euros cash haben möchte, denn das kostet keine Gebühr. Dazu müsste ich dann wieder zu den Cashiers, müsste mich aber nicht nochmal hinten anstellen in der 20 Meter langen Schlange. Also, wieder zu den Leuten an der Kasse.

An der Kasse sagte man mir dann, dass ich zu einem Telefon im Eingangsbereich gehen müsste, um meine Euronen zu bestellen. Ich also zu dem Telefon, 2x die drei gewählt und dort hat mir dann die nette Dame gesagt, dass sie nicht diejenige welche wäre, sondern eine andere Nummer anrufen müsste - wieder eine neue Telefonnummer. Ich also schon mit leicht angeschwollenem Hals wieder zu Mike und ihm gesagt, was Phase ist und er hat dann die neue Nummer angerufen. Am anderen Ende sagte man ihm dann, dass das auch nicht die richtige Nummer sei und er folgende Nummer anrufen sollte. Unter der neuen Nummer dann eine Bandansage, dass die Nummer nicht mehr aktiv sei und statt dessen wieder eine andere Nummer angerufen werden müsse. Dort dann die alte Leier - nicht zuständig, ruf doch mal die Nummer blabla an. Unter der Nummer sagte man ihm dann, dass das von der Bankfiliale direkt gemacht werden müsse - aha, wir waren also wieder am Anfang angelangt.

Er also hoch zu seinem Schreibtisch und in seinem Intranet nach "Bedienungsanleitungen" gesucht, wie man Geld von einem Eurokonto abheben kann. Mit der kam er dann wieder runter. Darauf dann eine interne Hotlinenummer, die nur für Barclaysmitarbeiter ist. Er also da angerufen. Nach langer Autorisierung dann die Info, dass Barclays die Euronen erst wieder in Pfund umtauschen müsse, um die dann auf das Konto der Filiale zu buchen, da diese kein Eurokonto besitzt, diese dann wieder in der Filiale in Euro umgetauscht würden, bevor ich die dann morgen abholen könne. Geil, oder? Das ganze bedeutet für mich zwar keinen offensichtlichen Verlust, aber die machen sich das Leben schon kompliziert.

Jetzt überlege ich nur noch, wie ich das Geld am besten und sichersten rüberschaffen soll. Ich werde wohl auch mal prüfen, wieviel meine dt. Bank mir für britische Schecks in Rechnung stellt. Das die ollen Briten aber auch auf ihren ollen Pfund bestehen müssen! Echt ätzend und echt Europa unfreundlich. Ich glaube es gibt da auch eine neue EU Direktive zum internationalen Bankverkehr innerhalb Europas. Wenn da jemand einen Link findet, wäre ich dankbar!

Soviel zum spannenden Thema Banken und England. Vor allem dachte ich, dass ich mit Barclays eine international erfahrene und operierende Bank gewählt hätte. Wahrscheinlich wäre das einfacher, wenn ich Unternehmer wäre und mehrere Millionen hin und her schieben müsste. Vielleicht ja demnächst.

Viele Grüße aus Southend-on-Sea!

6 Comments:

  • At 9:30 pm GMT+2, Anonymous Markus said…

    Fuck! ;) Das ist kein Spaß! Würde sagen, die Nominierung zum Award für den Schlechtesten-Service Europas ist auf jeden Fall in Reichweite...

     
  • At 8:17 pm GMT+2, Anonymous Anonymous said…

    Nochmals willkommen auf der Insel! Hat die Barclays Bank nicht ein Abkommen mit der Deutschen Bank? Es war zumindest so als ich das erste Mal hier war. Man konnte dadurch recht günstig bei der jeweiligen Bank bar abheben. Falls das aber nicht mehr existiert würde ich die Abhebversion im anderen Land nicht unbedingt empfehlen, hat mich in Deutschland ein kleines Vermögen gekostet...
    Grüsse
    Burkhard

     
  • At 9:31 pm GMT+2, Blogger Karsten said…

    Das mit dem Abkommen habe ich auch schon mal gehört, aber Privatkunde bei der Deutschen Bank ist auch nicht unbedingt ein günstiges Vergnügen hab ich mir sagen lassen. Und das letzte mal, als ich mit meiner Debit Card Geld bei der Deutschen abholen wollte ging das nicht. Bei der Voba gegenüber allerdings sehr wohl.

    Ich habe jetzt mit meiner Bank geschnackt und es hat sich herausgestellt, dass das günstigste wahrscheinlich sein wird Schecks in GBP per Post an meine Bank nach Deutschland zu schicken. Der Umrechnungskurs ist 0,02 EUR besser und Gebühren nur ca. 12 EUR bei einem 1500 GBP Scheck statt 20 GBP Überweisungsgebühr. Das spart also ca. 50 EUR pro Transfer - hoffentlich zumindest. Ich hab auch schon genug Geld durch Überweisungen verbrannt, allerdings in Euro umgerechnet auch Profit gemacht seit dem ich mein Gehalt verhandelt habe.

     
  • At 9:33 pm GMT+2, Blogger Karsten said…

    Entschuldigt übrigens meine Rechtschreib- und Kommatafehler. Merk ich immer erst wenn ich die Sachen schon abgeschickt habe.

     
  • At 8:42 pm GMT+2, Anonymous nina said…

    Was bin ich froh in Deutschland zu wohnen und einen Freund als persönlichen Bankberater habe, dem ich blind vertrauen kann und der meine Geschäfte für mich abwickelt...

     
  • At 5:08 pm GMT+2, Blogger Karsten said…

    Tja Nina,

    leider hab ich keine Freunde, die in irgendwelchen Banken arbeiten. Schon gar nicht hier in England. Im nächsten Leben vielleicht.

    Gruß nach MS!
    Karsten

     

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