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Thursday, July 06, 2006

Insel ohne Wasser (2)



Wie schon vor diversen Wochen berichtet, gibt es einige Gegenden in und um London herum, bei der ein gewisser Wassermangel herrscht und u.a. "hose pipe bans" (allgemeines Gartenschlauchverbot) eingeführt wurden (u.a. zumindest von Thameswater, Tochter der RWE, beantragt, ). Anfang der Woche schaue ich mir die BBC 6 o'clock News an und sehe die Meldung, dass Thameswater nochmal um eine Strafe von 70m GBP herum gekommen ist, die eigentlich fällig gewesen wäre, weil man die Lecks der Londoner Wasserversorgung nicht im erforderlichen Rahmen reduziert hat. Aussage der Behörde (OFWAT)war, dass der kleine Betrag ja nur eine Geste gewesen wäre und keinem wirklich geholfen hätte usw.

Zum Nachlesen: http://news.bbc.co.uk/1/hi/business/5143912.stm

Täglich(!) versickert alleine in London knapp 900.000.000 liter Frischwasser aufgrund eines veralteten Leitungssystems. Gleichzeitig wird dafür geworben, dass Haushalte Wasser sparen, eben wegen der momentanen "drought". Auf Plakaten wirbt Thameswater sogar dafür den "hose pipe ban" zu befolgen, bevor man ein schmerzliches Bußgeld zahlen muss.

Thameswater hat ausserdem eine Gewinnsteigerung von 31% auf 345m GBP (ca. 500m €) zum Vorjahr verbucht. Man kann die Leute verstehen, die sich darüber aufregen, dass Thameswater nicht genügend Geld in das Stopfen von Lecks steckt.

Des weiteren wundert es mich jetzt nicht mehr, dass so häufig Straßen gesperrt werden müssen, weil mal wieder irgendwo Wasser austritt. Das führt regelmässig zu einem einfachen bis mittelschweren Verkehrschaos, wenns dann auch noch zur Rush Hour geschieht. Es scheint als Stopfe Thameswater Löcher, die sich gleichzeitig am anderen wieder öffnen. Ähnlich wie ein Eimer mit 20 Löchern, den man mit 10 Fingern zu halten soll.

Thameswaters Auftritt im Web dazu: Why ist there a shortage? (natürlich von den Lecks keine Rede) und beatthedrought.com

UPDATE 14.07.: Londonleben hat das von mir erwähnte Werbebanner aus der U-Bahn fotografiert. Ich hab es mal geklaut und hier eingebaut - Cheers mate!


P.S.: Aus irgendwelchen Gründen kann ich zur Zeit keine Bilder hochladen...

2 Comments:

  • At 11:08 am GMT+2, Anonymous Markus said…

    900.000.000 Liter sind wirklich krass! Wobei die Gesamtsumme des Frischwasseraustritts aus maroden Wasserleitungen in der BRD auch beeindruckend sein wird.

    Interessant an der Situation in GB ist für uns, dass die britische Wasserversorgung, wie von dir auch geschrieben, privatisiert ist.Ein Thema, das selbst für Liberale sehr heiß ist. Darf man Wasser, die Quelle allen Lebens, dem freien Spiel der Märkte überlassen? Nun steckt in diesem Satz natürlich sehr viel Polemik. Ich gehe nämlich davon aus, das Wasser aus dem Wasserhahn, zumindest in Privathaushalten, kaum lebensnotwendige Aufgaben erfüllt. Getrunken wird wohl eher Mineralwasser, Limo oder Bier. Putzen oder Duschen gilt wohl kaum als überlebenswichtig.
    Trotzdem bekomme ich bezgl. des "hose pipe ban" Bauchschmerzen. Zumindest vor dem Hintergrund der von Dir angeführten Gewinnsteigerungen und mangelnder Pflege der Infrastruktur. Ich halte das Verhalten der Firmen für ein Verbrechen.

    Die Beführworter einer Privatisierung der Wasserwirtschaft führen als Argument immer den Strommarkt ins Feld. Hier habe die Liberalisierung hervorragend geklappt. Ich bin da, ausnahmsweise, sehr skeptisch. Die deutschen Stromkonzerne, übrigens auch nur als Quasimonopolisten agierend, da hat die SPD ganze Arbeit geleistet, haben, ähnlich der RWE Tochter in London, einen fatalen Hang zur Vernachlässigung der teuren Infrastruktur. Also die Zahlen, die wir in den Sonderanhörungen des Landtags nach dem Schneechaos im östlichen Münsterland von der RWE (auch interessant, wieder die RWE) bekommen haben (Inestitionsquote, neue Strommasten, Erhaltungsreperaturen) waren mehr als mies. Der Konzern läßt die teure und mit Steuermitteln aufgebaute Infrastruktur in NRW einfach vergammeln. Weißt aber zeitgleich einen der höchsten in Deutschland je erzielten Gewinne aus. Das ist paradox. Und als das Kind im Münsterland in den Brunnen gefallen war und die RWE auf einen Schlag ca. 2,5 Mrd. Euro zur Reperatur der Schäden aufbringen sollte, haben die mit vollem Ernst und ohne Scham versucht diese Kosten über das Land NRW auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Da könnte ich platzen vor Wut.

    Aber Investitionen in die Infrastruktur von Versorgungssystemen sind sehr langfristige Ausgaben. Der Kapitalrückfluss erfolgt erst über die Nutzungszeit von 50 oder 60 Jahren. Das ist in Zeiten des "Shareholder Value" schwer zu vermitteln. Für den kurzfristigen Börsenerfolg opfern viele dieser Firmen ihre und unsere Zukunft. Die Telekom zeigt übrigens ebenfalls solche Tendenzen.
    Verwiesen wird dann oft auf den Ölmarkt. Dort rentieren sich selbst milliardenschwere Pipelineprojekte bereits nach 10 Jahren oder weniger. Aber dies ist eminer Meinung nach kein Maßstab. Noch so einen Markt wie den Ölmarkt, der die Welt in Atem hält und nahezu jeden Preis erzielen kann den man haben will, können und wollen wir wohl kaum verkraften. Wenn auch der Wasser- und Strommarkt zu so einem Roulette verkommen, dann Prost Mahlzeit. Vielleicht ist Privatisierung doch nicht immer das Allheilmittel.

     
  • At 1:52 pm GMT+2, Anonymous Karsten said…

    Die 900 Millionen Liter beschränken sich dabei ja nur auf London, bzw. nur auf Thameswater!

    Wenn ich mir überlege, dass im Großraum London ca. 7 Millionen Menschen leben, dann hieße das immerhin ca. 128 Liter Schwund pro Nase/Tag. Ich finde, dass ist eine erstaunlich große Menge und Wasser ist anscheinend noch nicht wertvoll genug, dass die Lecks schneller geschlossen werden.

    Dreist finde ich, dass Thameswater noch Werbung dafür macht, dass bis 2010 der Schwund um irgendwas um die 128 Millionen Liter/Tag reduziert werden wird, ohne dabei zu benennen, um wieviel es sich total handelt. (Gesehen in einer U-Bahn in London am Wochenende). Das wird quasi als große Leistung dargestellt, obschon es eigentlich nur der sprichwörtliche "drop in the ocean" ist.

     

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